Unsere Jahreslosung steht im ältesten Text des Neuen Testamentes. Wir finden ihn im Brief, den Paulus an die Christen in Thessalonich schreibt. Heute heißt die griechische Stadt Thessaloniki. Unseren Vers finden wir am Ende. Paulus gibt der kleinen Gemeinde noch ein paar gute Ratschläge, bevor er mit Segenswünschen seinen Brief schließt. Die Gemeinde ist noch jung und muss sich in einer Gesellschaft behaupten, die viele Lebensweisen und auch viele Religionen kennt. Aber er traut den Menschen zu, sich zurechtzufinden: Prüft alles und behaltet das Gute! Seine Einladung offen zu sein, neugierig zu bleiben und womöglich neue Pfade zu suchen und zu gehen, ruht in der Gewissheit, dass die Christen wissen, was das Gute ausmacht.
Und er hat recht, finde ich, bis heute. Wir wissen ziemlich gut, was richtig und was falsch ist. Wir wissen, wie wichtig Gemeinschaft ist und dass die Würde jedes Menschen, egal, woher er kommt, und auch egal, woran er glaubt, zu achten und zu schützen ist. Wir wissen um unsere Verantwortung vor Gott und für die Menschen. Da sind wir uns, glaube ich, schnell einig. Ich bin auch davon überzeugt, dass wir als Kirchengemeinde, auch als große Kirche, die richtige Botschaft für unsere Mitmenschen haben. Die lautet kurz: Lasst uns miteinander das Leben bestehen, ohne andere auszugrenzen. Lasst uns die Welt besser machen, wenigstens ein bisschen.
Aber wir finden als Christen kein Gehör. Wir erreichen die Menschen nicht. Oder zu wenig. Jedenfalls ist das mein Eindruck. Denn wir werden kleiner, Jahr für Jahr. Trotzdem sind wir noch gut aufgestellt. Viele Gemeindeglieder engagieren sich. Unsere Projekte laufen. Wir sind als Partner anerkannt, in der Kommune und bei den Vereinen. Doch die Tendenzen stimmen nachdenklich. Nicht nur wegen der 20–30 Austritte pro Jahr. Auch die nächste Generation könnte stärker vertreten sein. Ich meine jene, die schon dreißig, aber noch nicht fünfzig Jahre alt sind.
Und dann kommt so eine Jahreslosung über uns. Prüft alles und behaltet das Gute! Ist das nicht eine Idee für das kommende Jahr? Eine Art Bestandsaufnahme. Vor allem aus der Perspektive der Jüngeren? Setzen wir als Kirchengemeinde noch die richtigen Prioritäten? Verfolgen wir noch die passenden Projekte? Verkünden wir unsere Botschaft zeitgemäß? Sind wir verständlich? Wo sind unsere blinden Flecken? Mich interessiert, was Sie darüber denken. Welche Arbeitsbereiche sollten wir stärken? Was fehlt uns und was hat sich überlebt?
Wie gesagt. Noch sehe ich uns nicht in der Krise. Noch haben wir Kraft. Können wir gestalten. Doch damit es so bleibt, müssen wir etwas tun, um mehr Menschen zu finden, die bereit sind, sich einzubringen, mitzumachen. Das gilt für alle Generationen, aber besonders für die, die meiner Generation folgt.
Einen kleinen Ansatz dazu finden Sie auch in diesem Gemeindebrief. Mit Hilfe des eingelegten Blattes, können Sie sich auch digital registrieren lassen. Vorausgesetzt: Sie haben Lust, Ihre – unsere –Kirchengemeinde zu unterstützen. Vielleicht haben Sie aber auch Ideen? Dann bringen Sie die ein! Denn ich hoffe sehr, dass wir offen und neugierig geblieben sind, bis heute. Gern prüfen wir und behalten das Gute. Wir, das sind zum einen die Mitarbeiter der Kirchengemeinde und zum anderen der Gemeindekirchenrat. Dahinter verbirgt sich das Leitungsgremium unser Kirche in Großbeeren.
Übrigens steht am Ende des Jahres wieder die Wahl des Gemeindekirchenrates (kurz: GKR) an. Da können Sie auch kandidieren, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt und Gemeindeglied sind. Ich bin gespannt, ob Sie von sich hören lassen.
Wenn nicht, müssen Sie damit rechnen, dass wir einfach weitermachen, dann eben mit den gewohnten Mitteln und Methoden. Denn grundsätzlich bleibt unser Auftrag ja derselbe: Die Welt ein bisschen besser zu machen und Gott die Ehre zu geben.
Wie sieht es aus? Sagen Sie „Amen“?